" Zur Freude der Menschen und Gott zur Ehre"

... unter diesem Motto stand das 50jährige Chorjubiläum am 12. und 13. Mai 1979 in Friesenhausen.

Dazu folgender Zeitungsartikel, erschienen im "Bote vom Haßgau" am 16. Mai 1979:

Zur Freude der Menschen und Gott zur Ehre - Zwei festliche Tage aus Anlaß des 50jährigen Bestehen des Posaunenchores Friesenhausen

Für die Kirchengemeinde Friesenhausen, für die zahlreichen Gäste und den Mitgliedern des Posaunenchores werden die zwei festlichen Tage vom vergangenen Wochenende in schöner Erinnerung bleiben. Das 50jöhrige Jubiläum wurde zu einem Ereignis, an dem auch der Dekanatsbezirk Rügheim Anteil nahm. Zahlreiche Posaunenchöre kamen nach Friesenhausen, um die Festtage mit zu verschönern, um den Menschen Freude zu bereiten und zur Ehre Gottes zu blasen. Dies geschah an verschiedenen Stellen des Ortes vor dem Festgottesdienst, in diesem und im Anschluß daran sowie am Nachmittag auf dem Friedhof.

Wie bereits berichtet, wurde das Jubiläum am vergangenen Samstag mit einer abendlichen Feierstunde in der Ortskirche eingeleitet, wobei die Ehrungen der Gründungs- und langjährigen Chormitglieder stattfanden. Pfarrer Lorentzen wies an diesem Abend drauf hin, daß es der Verdienst mehrerer Generationen sei, einen Chor 50 Jahre zu leiten und die Kunde Gottes mit den Posaunen in den Menschen wach zuhalten bis auf den heutigen Tag. Das Mitwirken in einem solchen Chor bedeutet Verzicht auf Freizeit. Den jungen Bläsern rief der Geistliche zu, daß die Begeisterung für das Spielen wach bleiben möge. Durch Frieden und Krieg ging der Dienst im Chor weiter und man müsse allen denen danken, die sich über Jahre hinweg eingesetzt haben.


Bild oben: Gruppenbild der Gründungsmitglieder. Links Pfarrer Lorentzen, dahinter Pfarrer Schreiber, dann von links nach rechts die Mitglieder Ernst Reichardt, Rudolf Gleichmann, Paul Schönmann, Siegfried Seidlein, Ernst Schwappach und Gottlieb Wolf.

Baron von Eichborn schilderte dann sehr plastisch die Zeiten von 1929 bis in die Nachkriegszeit in Deutschland, wobei er das Jahr 1929 als ein bemerkenswertes Jahr herausstellte, denn es war sozusagen die Halbzeit in der Geschichte Deutschlands. Wie es damals in Deutschland aussah, wurde hier sehr ausführlich und realistisch geschildert und die Gründer des Friesenhäuser Chores standen 1929 noch vor den Anzeichen von wirtschaftlichen, politischen und kirchlichen Spannungen. Der damals aufgestellte Chor habe alle diese schweren Zeiten überstanden und alles war an der Gnade Gottes gelegen.

Pfarrer i. R. Friedrich Schmidt gab dann einen sehr aufschlußreichen Überblick auf den Chor, den er mitgründete. Auf den Festtag bezogen, sagte der Geistliche daß, wenn eine Gemeinde etwas feiert, im Mittelpunkt Jesus Christus stehe und der Chor wurde damals gegründet zur Ehre Gottes und der Erbauung der Gemeinde. Schon im Herbst 1928 ging der Anstoß zur Gründung des Chores aus und damals fanden sich zehn Burschen zusammen. Mit den Geldern der Anfänger und mit Spenden der Gemeinde wurden die Instrumente beschafft und in der Wohnstube von Ida Seidlein wurden die Proben gehalten, da ihr Sohn Siegfried ebenfalls im Chor spielte und später der Chorleiter wurde. Zweimal in der Woche wurde geprobt und auch am Kirchweihsonntag. Zur Probe war man immer vollzählig versammelt und schon Weihnachten 1928 trat der Chor auf. Der Chor spielte dann bei verschiedenen Veranstaltungen öffentlich und neben kirchlichen Liedern wurden auch Volkslieder ins Programm aufgenommen. Vor 50 Jahren war es auch nicht denkbar, daß weibliche Mitglieder im Chor mitwirkten, heute sei dies eine selbstverständliche Sache, sagte Pfr. Schmidt. Erfreut zeigte sich der damalige Ortsgeistliche auch darüber, daß heute schon in Aidhausen ein Chor besteht und in Nassach einer im Entstehen ist. Sein Wunsch war am Schluß seiner Ausführungen, die mit lustigen Begebenheiten ausgeschmückt waren, daß die Kirchengemeinde noch viele Jahre Freude an diesem jetzigen stattlichen Chor unter Leitung von Wilhelm Wolf haben möge.

In einer kurzen Nachlese des Chormitgliedes Armin Willer kamen noch einige Details zur Gehör. 1930 nahm man am Posaunentag in Augsburg teil, 1931 fand der 1. Bezirksposaunentag in Friesenhausen statt und 1935 der des Dekanats Rügheim. In der Schule, Im Rathaus und im Pfarrhaus fanden Proben statt und jetzt im Stiftungshaus. Dank galt Pfr. Lorentzen für sein aktives Mitwirken im Chor und dem Chorleiter Wolf, der den Chor gut im Griff hat. - Pfarrer Schreiber bezog sich in seiner Ansprache auf den Wochenspruch: "Singet dem Herrn ein neues Lied" und stellte das Posaunenspiel als einen wichtige und schönen Dienst in der Gemeinde heraus. An die Gründungsmitglieder und die langjährigen Bläser übergab er dann Ehrenurkunden und bat die jungen Bläser, in die Fußstapfen der Älteren zu treten.


Bild oben: Überreichung der Ehrenurkunden (von links nach rechts): Pfarrer Schreiber, Pfarrer Lorentzen, Wilhelm Wolf, Walter Gleichmann, Fritz Reichardt, Heide Willer, Gerhard Kettler, Armin Willer, Hermann Wolf, Hermann Kettler und Hans Rasser.

Bild unten:
Hier das älteste Mitglied des Posaunenchores und Mitbegründer Gottlieb Wolf und der jüngste Bläser, sein Enkel Erhard Wolf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MdL Kurt Sieber wies in seiner Ansprache drauf hin, daß sich fast zwei Generationen lang die Menschen hier zusammengefunden haben, um den Jahresablauf mit dem Klang der Posaunen zu begleiten und ein Posaunenchor eben zu so einer Kirchengemeinde gehöre. Mit Stolz könne man auf die 50 Jahre zurückblicken und die Gründungsmitglieder können sagen, daß sich die Initiative gelohnt hat - jüngere sind nachgefolgt, doch das Ziel bleibt das gleich. Namens des Bayerischen Landtages entbot MdL Sieber dem Chor herzliche Glückwünsche zum Jubiläum und sprach den Wunsch aus, daß der Chor weiterhin den notwendigen Widerhall finden möge. - Pfr. Wilhelm Berger, der von 1955 bis 1961 in Friesenhausen wirkte, stellte in seiner Ansprache heraus, daß so ein Jubiläum etwas Bewegendes sei und Gott seinen Segen undseine Gnade dem Chor zuteil werden ließ. Er gab seiner Freude Ausdruck, an den festlichen Tagen teilnehmen zu können. - Bürgermeister Anton Schüßler stellte den Idealismus der Chormitglieder heraus, sprach die Glückwünsche und den Dank der politischen Gemeinde dieser Einrichtung aus und stellte fest, daß "wir alle sehr stolz sein können, einen solchen Chor in der Gemeinde zu haben". Dank galt den Gründungsmitgliedern und der Bürgermeister forderte gleichzeitig die Chormitglieder auf, weiterhin zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen zu blasen. - Bezirkschorleiter Mücke ging kurz auf die Tradition der Posaunenchöre ein und zeigte sich erfreut, daß so viel Jungbläser den Chor verstärken und man für die Zukunft nicht bange sein muß. Im Dekanat sind derzeit 26 Chöre vorhanden und es mache Freude, wie sich die einzelnen Chöre entwickeln. In Pfarrer Lorentzen habe der hiesige Chor einen tatkräftigen Mitspieler, der sich vor allem des Nachwuchses annehme. Das Wirken von Chorleiter Wilhelm Wolf wurde gewürdigt und auf die Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung näher eingegangen. Der Bezirkschorleiter rief die Jugend auf, den Chor zu stärken und diesem Wünschte er für die Zukunft alles Gute.

Pfarrer Lorentzen bedankte sich namens des Chores für all die guten Worte, besonderer Dank galt Bürgermeister Schüßler mit Gemeinderat, der sich stets aufgeschlossen für die Belange des Chores zeigte. Dann stellten sich die sieben Jungbläser vor, die seit drei Wochen von Pfr. Lorentzen geschult werden und ihre Darbietungen klangen schon recht gut. Zusammen mit den erwachsenen Chormitgliedern erklangen dann mächtig die Instrumente beim Abschlußchoral. Mit einem Gebet und dem Vaterunser wurde die zweieinhalbstündige abendliche Feierstunde beschlossen. Der Ortsgeistliche dankte nochmals allen, die gekommen waren, und all denen für ihre Mithilfe, die das Jubiläum gestalteten.

Aus Anlaß des Jubiläums des Posaunenchores fand dann am Sonntagvormittag ein festlicher Gottesdienst im Schloßhof statt. Pünktlich um 10 Uhr bestieg Pfarrer Lorentzen das festlich geschmückte Podium, um die zahlreich gekommenen Posaunenchöre, die Gäste und die Gemeindeglieder zu begrüßen. So hieß der Ortspfarrer sehr herzlich willkommen den Gründer des Posaunenchores, Pfr. i. R. Friedrich Schmidt, Landrat Keller und stellv. Landrat Schneier, Dekan i. R. Kollmer mit Gattin, den früheren Pfarrer Wilhelm Berger mit Gattin aus Nürnberg und weitere Vertreter der Öffentlichkeit.

Bezirkschorleiter Konrektor Mücke gab das Zeichen zum ersten Choral, den der Gesamtchor und der Friesenhäuser Chor im Wechsel bliesen. Es war ein festliches Bild: der helle Sonnenschein, die feierlichen Klänge, die blitzenden Instrumente der Bläser.

Die Festpredigt hielt Dekan Werner Plesch aus Rügheim, der feststellte, daß die 50 Jahre des Posaunenchors Friesenhausen ein Beleg seien dafür, daß ein Posaunenchor nicht von der Gunst der Stunde, noch von der Begeisterung des Moments lebe. Vielmehr seien die 50 Jahre ein Beweis dafür, daß von vornherein eine konstante Zielvorstellung zugrunde liegt. Den zahlreichen Versammelten rief der Dekan zu "Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder".

Für die Musik gäbe es viel Motivationen. Unverkennbares Zeichen des Posaunenchores sei die Anbindung an das biblische Wort und die Verbindung mit der Gemeinde, kurz gesagt, das Glaubensmotiv. Der Dekan schloß mit dem Appell: "Blast Euch selber zur Freude, Euren Mitmenschen zur Ermunterung und Gott zur Ehre".

Im Anschluß an den ergreifenden Gottesdienst fand im Schloßhof noch ein gemeinsames Blasen der Chöre statt. Tiefen Eindruck machte es, als der hochbetagte Gründungspfarrer Friedrich Schmidt noch einmal das Podium bestieg und das Volkslied "Im schönsten Wiesengrunde" dirigierte. - Am Nachmittag fand ein kurzes Blasen auf dem Ortsfriedhof statt und danach trafen sich die Ehrengäste, Chormitglieder und Gründungsmitglieder zu einer Kaffeestunde im Stiftungshaus, die dem Gedankenaustausch und dem gegenseitigen Erzählen diente. Mit diesem fast familiären, schönen Zusammensein klangen die festlichen Tage aus.

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